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Quick and clean.

Ich habe drei Mail-Adressen: eine, deren Name mir eingefallen ist als ich 13 war und die ich niemandem gebe von dem ich danach noch ernstgenommen werden möchte. Eine, die ich auf zwielichtigen Websites angebe und in deren Postfach ich nie – im Sinne von unter gar keinen Umständen – schaue. Und eine dritte, die ich nur sehr gezielt rausrücke. An diese dritte flattern seit geraumer Zeit trotzdem Nachrichten von Menschen, die ich gar nicht kenne.

Von Christoph, Alice, Kevin, Karl und Natalie. Gerne auch mitten in der Nacht zu Uhrzeiten, zu denen mir sonst nur Li Huang, ein seriöser chinesischer Arzt, ein sicheres Potenzmittel verkaufen möchte. Und trotzdem, Christoph und Kevin schreiben mir mit besten Absichten: Sie zeigen mir neu gestartete Online-Petitionen. Es geht um Umweltschutz, um soziale Ungerechtigkeiten, um Einzelschicksale. Heute Morgen geht es um einen Elefanten in Indien, der aus der Gefangenschaft gerettet werden soll. Und alles, was ich dafür tun muss: meinen Namen unter die Petition setzen und klicken. Quick and clean. Zack, mit meiner Maus einen Elefanten gerettet. Die erste gute Tat des Tages noch vor dem Frühstück! Wie selbstlos. Oder doch nicht?

Ein bisschen tue ich das natürlich auch für mich und mein gutes Gefühl. Und ein bisschen frage ich mich auch immer, was diese Petitionen wirklich bewirken. „In erster Linie politisches und gesellschaftliches Interesse, das Entscheider unter Druck setzen kann“, sagt mir Gregor Hackmack, der Deutschlandchef von change.org, bei einem Interview. Change.org ist die weltweit größte Plattform für Online-Petitionen, daneben gibt es noch weitere wie Avaaz, Campact und openPetition. Sie alle konkurrieren miteinander um unsere Aufmerksamkeit. Eine .com-Petition, sozusagen. Wenn es gut läuft, eine Petition also genug Unterstützer findet und Aufmerksamkeit schafft, dann wird sie auf der Website von change.org als erfolgreich gekennzeichnet. Was dann ganz analog passiert, ist zum Beispiel, dass neu über Plastiktüten diskutiert wird, dass die Vertreibung der Massai in Tansania den Weg in deutsche Medien findet, dass eine 32-jährige Berlinerin einen Termin bei Justizminister Heiko Maas bekommt, ihm die gesammelten Unterschriften für ein strengeres Stalking-Gesetz überreicht – und damit wirklich den Prozess für eine Gesetzesänderung angestoßen oder zumindest beschleunigt hat. Politisches und gesellschaftliches Interesse: Check.

Aber das Internet wäre nicht das Internet, wenn es nicht auch weniger ernsthafte Themen schaffen würden, „Klicks zu generieren“, wie man sagt, wenn man ein hipper Imageberater ist. Einen etwas hipperen selbigen hätte man Markus Lanz im vergangenen Jahr gewünscht. Obwohl er den bestimmt auch nicht hätte zu Wort kommen lassen. Aber sei es drum: Die Petition gegen ihn als Moderator im Zweiten Deutschen Fernsehen fand 230.000 Unterstützer – und das, obwohl sie von der Initiatorin vorzeitig eingestellt wurde. Hätte man also durchaus auch als erfolgreich beschreiben können, diese Petition. Gregor Hackmack glaubt trotzdem – Ausnahmen bestätigen die Regel – weiterhin an den gesunden Menschenverstand und an die Selbstregulation. Soll heißen: Für wichtige Dinge interessieren sich viele Menschen und die Petitionen werden groß, weniger wichtige versanden am Strand, unbemerkt von den meisten worldwideweb-Surfern.

Aber apropos gesunder Menschenverstand: Die Ärzte sangen schon 2004 davon, dass wir doch mal wieder auf die Straße gehen sollen, mal wieder demonstrieren. „Mal wieder“ ist in meinem Fall völliger Quatsch: Das einzige Mal, dass ich auf einer Demo war, war mit 16. Da kam ich aus H&M und bin mit der Menschenmenge mitgelaufen bis zu Kaufhof. Für Menschen wie mich sind solche Online-Petitionen also ein guter Einstieg und eine gute Möglichkeit, mit ihrer Meinung Teil von einem größeren Ganzen zu werden. Und sie sind darüber hinaus vielleicht die einzig sinnvolle Möglichkeit, Dinge zu unterstützen, die nicht vor meiner Haustür stattfinden. Denn wenn ich möchte, dass die Vertreter der UN beim Klimagipfel mitbekommen, dass ich für einen geringeren CO2-Ausstoß bin, ist es vielleicht nicht der sinnvollste Weg, mich in ein Flugzeug zu setzen und für 3750kg CO2 von Hamburg nach Lima zu reisen.

Mit Online-Petitionen ist es also wie mit so vielen Dingen im Internet: sie erleichtern uns so einiges – von der Gesetzesänderung über die Tierrettung bis hin zu meinem Gewissen. Dann kann ich jetzt ja frühstücken.
23.1.15 11:17
 
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