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Ich habe Blog.

Ist das ansteckend? Geht. Die meisten hatten das schon in 2009, oder spätestens 2012. Ich brauch halt mit allem immer ein bisschen länger. Facebook? Nein, danke, das ist mir zu unübersichtlich. Instagram? Was soll ich denn mit so Filtern? Game of Thrones? Mit Drachen und Gewalt kriegste doch niemanden, der mit dem Nibelungenlied aufgewachsen ist. Nun also doch. Wieso, weshalb, warum weiß ich selbst noch nicht. Der Coolness-Faktor fällt inzwischen weg, zumindest, wenn ich einer relativ erfolgreichen Bloggerfreundin von mir glauben darf. So in, so out, so what. Mir war es ohnehin von Anfang an ein Rätsel, warum es Menschen beeindrucken sollte, wenn man auf einer Website über dies und das schreibt. Früher war die Website ein Tagebuch – und wer glaubt, dass man damit cool war, war definitiv auf einer anderen Grundschule als ich.

Mindestens so wichtig wie das Wieso ist aber vielleicht ohnehin das Wie. Deshalb kommen hier gleich ein paar gute Gründe und Vorsätze, wie ich meinen Blog schreiben möchte. Aber nur ganz schnell, bevor ich gleich den nächsten Tab in meinem Internet Explorer öffne, um mir dieses sau coole Ed Hardy Shirt zu bestellen. Bevor das auch noch out wird.

Und los:
Ich möchte mein Umfeld entlasten und die schlechten Wortspiele endlich irgendwo anders raus lassen können.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit fragen, ob das größte Containerschiff der Welt kleiner geworden ist, weil es im Hamburger Hafen eingelaufen ist. Und ob die Baustellen-Fußgänger-Ampel am Gänsemarkt nicht auch nach dem Verschwinden der Baustelle eine Übergangslösung bleibt.

Ich möchte Dinge so schreiben, wie ich sie sinnvoll oder auch nur schön finde – unabhängig davon, ob sie richtig oder falsch sind. Schlammassel schreibe ich so oft ich will mit zwei „m“. Wenn ich lustig bin auch mit dreien: Schlammmassel! In your face, Duden.

Ich möchte nur bei wirklich, wirklich wichtigen Sätzen drei Ausrufezeichen hintereinander machen!!!

Ich möchte mich möglichst oft an den fragenden Blick meiner Mutter erinnern, als ich gesagt habe, ich schreib jetzt mal was in diesem Internetz.

Ich möchte in dem einen Eintrag über Weltpolitik schreiben und im nächsten über meinen neuen Nagellack. Striplac von Alessandro ist übrigens der Shit!

Ich möchte mich bei all meinen Arter-Freunden dafür entschuldigen, wie dieser Blog aussieht. Vier Jahre habt ihr meine Texte so schön in Layouts eingebaut - und jetzt sowas. Entschuldigung.

Ich möchte so viel Privates schreiben wie ich gerade will, ohne dabei zu vergessen, wie das war als mir in der 4. auf Klassenfahrt mein Tagebuch geklaut wurde. Von Cennet. Ich kann mir keine Namen merken, aber dich kenn ich noch, Fräulein!

Ich möchte, dass mir ein einziger Wikipedia-Artikel als Stütze für meine Argumentation reicht.

Ich möchte mehr Wikipedia-Artikel verfassen.

Ich möchte weiterhin samstags auf Kreativ- und Designermärkte gehen ohne sonntags unbedingt darüber schreiben zu wollen.

Ich möchte überhaupt niemals irgendwohin gehen, nur, damit ich dann darüber schreiben kann. Sorry, Club du Nord!

Ich möchte jetzt anfangen.
21.1.15 00:02


Quick and clean.

Ich habe drei Mail-Adressen: eine, deren Name mir eingefallen ist als ich 13 war und die ich niemandem gebe von dem ich danach noch ernstgenommen werden möchte. Eine, die ich auf zwielichtigen Websites angebe und in deren Postfach ich nie – im Sinne von unter gar keinen Umständen – schaue. Und eine dritte, die ich nur sehr gezielt rausrücke. An diese dritte flattern seit geraumer Zeit trotzdem Nachrichten von Menschen, die ich gar nicht kenne.

Von Christoph, Alice, Kevin, Karl und Natalie. Gerne auch mitten in der Nacht zu Uhrzeiten, zu denen mir sonst nur Li Huang, ein seriöser chinesischer Arzt, ein sicheres Potenzmittel verkaufen möchte. Und trotzdem, Christoph und Kevin schreiben mir mit besten Absichten: Sie zeigen mir neu gestartete Online-Petitionen. Es geht um Umweltschutz, um soziale Ungerechtigkeiten, um Einzelschicksale. Heute Morgen geht es um einen Elefanten in Indien, der aus der Gefangenschaft gerettet werden soll. Und alles, was ich dafür tun muss: meinen Namen unter die Petition setzen und klicken. Quick and clean. Zack, mit meiner Maus einen Elefanten gerettet. Die erste gute Tat des Tages noch vor dem Frühstück! Wie selbstlos. Oder doch nicht?

Ein bisschen tue ich das natürlich auch für mich und mein gutes Gefühl. Und ein bisschen frage ich mich auch immer, was diese Petitionen wirklich bewirken. „In erster Linie politisches und gesellschaftliches Interesse, das Entscheider unter Druck setzen kann“, sagt mir Gregor Hackmack, der Deutschlandchef von change.org, bei einem Interview. Change.org ist die weltweit größte Plattform für Online-Petitionen, daneben gibt es noch weitere wie Avaaz, Campact und openPetition. Sie alle konkurrieren miteinander um unsere Aufmerksamkeit. Eine .com-Petition, sozusagen. Wenn es gut läuft, eine Petition also genug Unterstützer findet und Aufmerksamkeit schafft, dann wird sie auf der Website von change.org als erfolgreich gekennzeichnet. Was dann ganz analog passiert, ist zum Beispiel, dass neu über Plastiktüten diskutiert wird, dass die Vertreibung der Massai in Tansania den Weg in deutsche Medien findet, dass eine 32-jährige Berlinerin einen Termin bei Justizminister Heiko Maas bekommt, ihm die gesammelten Unterschriften für ein strengeres Stalking-Gesetz überreicht – und damit wirklich den Prozess für eine Gesetzesänderung angestoßen oder zumindest beschleunigt hat. Politisches und gesellschaftliches Interesse: Check.

Aber das Internet wäre nicht das Internet, wenn es nicht auch weniger ernsthafte Themen schaffen würden, „Klicks zu generieren“, wie man sagt, wenn man ein hipper Imageberater ist. Einen etwas hipperen selbigen hätte man Markus Lanz im vergangenen Jahr gewünscht. Obwohl er den bestimmt auch nicht hätte zu Wort kommen lassen. Aber sei es drum: Die Petition gegen ihn als Moderator im Zweiten Deutschen Fernsehen fand 230.000 Unterstützer – und das, obwohl sie von der Initiatorin vorzeitig eingestellt wurde. Hätte man also durchaus auch als erfolgreich beschreiben können, diese Petition. Gregor Hackmack glaubt trotzdem – Ausnahmen bestätigen die Regel – weiterhin an den gesunden Menschenverstand und an die Selbstregulation. Soll heißen: Für wichtige Dinge interessieren sich viele Menschen und die Petitionen werden groß, weniger wichtige versanden am Strand, unbemerkt von den meisten worldwideweb-Surfern.

Aber apropos gesunder Menschenverstand: Die Ärzte sangen schon 2004 davon, dass wir doch mal wieder auf die Straße gehen sollen, mal wieder demonstrieren. „Mal wieder“ ist in meinem Fall völliger Quatsch: Das einzige Mal, dass ich auf einer Demo war, war mit 16. Da kam ich aus H&M und bin mit der Menschenmenge mitgelaufen bis zu Kaufhof. Für Menschen wie mich sind solche Online-Petitionen also ein guter Einstieg und eine gute Möglichkeit, mit ihrer Meinung Teil von einem größeren Ganzen zu werden. Und sie sind darüber hinaus vielleicht die einzig sinnvolle Möglichkeit, Dinge zu unterstützen, die nicht vor meiner Haustür stattfinden. Denn wenn ich möchte, dass die Vertreter der UN beim Klimagipfel mitbekommen, dass ich für einen geringeren CO2-Ausstoß bin, ist es vielleicht nicht der sinnvollste Weg, mich in ein Flugzeug zu setzen und für 3750kg CO2 von Hamburg nach Lima zu reisen.

Mit Online-Petitionen ist es also wie mit so vielen Dingen im Internet: sie erleichtern uns so einiges – von der Gesetzesänderung über die Tierrettung bis hin zu meinem Gewissen. Dann kann ich jetzt ja frühstücken.
23.1.15 11:17


Möpse raus.

Tanzende Frauen, Möpse und überstürzte Liebeserklärungen. Was klingt wie ein normaler Samstagabend auf dem Kiez ist die aktuelle Almased-Werbung. Jeder, der mit deutscher Pünktlichkeit auf die Tagesschau umschaltet, hat sie schon mal gesehen. Von Montag bis Freitag flimmert sie über die Bildröhrenendgeräte in unsere Wohnzimmer. Und das zur „Best Minute“, wie man gerne zu DEN 60 Sekunden in der ARD sagt. Da sitzen wir also, gerade die Nudeln aus der Mikrowelle geholt, und dann bekommen wir sie präsentiert: die hässliche Wahrheit. Während wir hier auf der Couch hängen, trist und träge, tanzt am anderen Ende der Stadt eine Frau in ihrem Büro mit sich selbst und ihrem Mops. Der Mops ist wichtig, auch dann, wenn die Fahrstuhlszene mit dem Overload kommt. Sonst hätte ich die Message nie verstanden. Eine Sternstunde des subtilen Marketings.

Ein wenig offensiver – obenrum – waren die vorangegangenen Almased-Spots. Unvergessen natürlich der, in dem die Dame eher Nichts unter ihrem Mantel trägt oder der, in dem ihre Brüste am Strand… ach, keine Ahnung, was darin vorkam, aber Brüste! Was hängen bleibt: Almased lässt uns abnehmen. Nicht nur 17€ pro Dose in der Problemzone Geldbeutel, sondern insgesamt. Unbestritten. Man nimmt drei Shakes am Tag zu sich: Bereitet man sie mit Wasser zu, hat jeder davon 230kcal, macht man sie mit Milch, sind es 320kcal. Vor einigen Jahren hab ich das auch mal gemacht – natürlich knallhart die eiskalte, widerliche Wasser-Version. Der Kopfrechenakrobat merkt: So habe ich 690kcal am Tag zu mir genommen. Und Sport gemacht wie immer. Klar hab ich abgenommen. Und zack, danach wieder zu. Zum Glück nicht mehr als zuvor – die Version wird ja auch gerne genommen.

Rückblickend finde ich dieses Pulver so schlimm, dass ich inzwischen nur noch daran riechen muss, um Brechreiz zu kriegen. Wenn man so will, auch ein dienlicher Effekt zum Abnehmen. Aber Spaß beiseite: Wie ich heute auf dieses Gemisch reagiere, weiß ich, weil eine Freundin es nimmt. Seit vier Jahren. Immer und immer wieder. Da liegt das Ausmaß des Erfolges eigentlich auf der Hand: es bringt genau gar nichts. Wenn das mal kein dicker Hund ist! Und so geht es allen.

Halt stopp, natürlich nicht allen: Markus, zum Beispiel, von der Almased-Seite, der hat 60 Kilo abgenommen. Ein ganz normaler Typ. Hab mal bei ihm angerufen – da hat er dann nicht abgenommen. Mysteriös. Vielleicht liegt es daran, dass er sich und seinen Gewichtsverlust durch eine Hamburger Agentur vermarkten lässt. Ganz normal halt.
Aber dort, wo ich empirisch nachfrage, sind die Erfolgsgeschichten kleiner gleich null – in dem Fitnessstudio, in dem ich gearbeitet habe, in meinem Freundeskreis, beim Smalltalk mit der Budni-Fachverkäuferin oder bei der befreundeten Verhaltenspsychologin. Letztere hat sich auf Essstörungen spezialisiert und kann mir abendfüllend davon erzählen, wie Almased und Co. der Einstieg in anormale Essverhalten sind.

Hat sich irgendwer mal wissenschaftlich Gedanken darüber gemacht, dass immer mehr Diätprodukte auf den Markt kommen und dabei die Gesellschaft immer dicker wird? Bestimmt. Aber ich wollte ja für den Blog nicht unnötig viel recherchieren. Interessant wäre ja auch mal zu wissen, was zuerst da war: die Masse an Übergewicht oder doch die Masse an pseudohilfreichen Schlankheitsmitteln. Ich persönlich hätte dazu eine Theorie. Und so kommt es, dass ich – auch, wenn ich ein großer Fan von Selbstbestimmtheit und klarem Menschenverstand bin – irgendwie darauf hoffe, dass all der Kram in Zukunft mal ähnlich gesetzlich restringiert wird wie Zigaretten. Schluss mit irreführenden Versprechen und erkauften Studien. Eine Politik, die sagt: Möpse raus! Aus dem Werbeblock. Das wär doch mal was.
27.1.15 03:08





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